Paul-Albert Wagemann - Schriftsteller und Radiojournalist  
           
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Die sexuellen Katastrophen des Malte O.

Roman

 

Verlag Monsenstein & Vannerdat 2003

ISBN 3-936600-84-8

169 Seiten,  € 9,80

 

Gefördert durch ein Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur der Stiftung Preussische Seehandlung

 

Vergriffen. Restexemplare beim Autor.

Leseprobe

 

Schelmenroman mit jugendlichem Helden, der als Legastheniker nicht nur Probleme mit der Rechtschreibung hat.  Jugendroman.
Selbstfindungsprozess eines Jugendlichen, bei dem die Sexualität im Vordergrund steht.

 

Leseprobe:

Ich war inzwischen völlig außer Puste, verlangsamte das Tempo und beschloß den Weg zurück durch die Dünen zu nehmen. Dachte an Frau Schweigers Ermutigung: Schreib weiter so, Malte! Sie war immerhin Spezialistin für Schreiben, am Ende hatte ich wirklich Talent. Auch mit meinen Fehlern war es deutlich besser geworden. Und gleich würde ich in meinem Zimmer wieder an dem Gedichttext arbeiten. Mit solchen Gedanken stapfte ich durch die Dünen und schaute ab und zu auf die Ostsee, wo ein paar Segelschiffe am Horizont kreuzten. Als ich gerade das nächste Dünental hinabsteigen wollte, stockte ich. Am Hang gegenüber lag eine Nackte. Komplett nackt, nur über den Kopf hatte sie ein Tuch gedeckt. Frau Schweigers, fuhr es mir durch den Kopf. Hier also holte sie sich ihre Bräune! Ich duckte mich instinktiv, kroch zurück hinter den Dünenkamm und linste durch den Strandhafer. Mein Herz klopfte. Da die Nackte sich nicht regte, richtete ich mich ein wenig auf, um den Anblick besser zu genießen. Er war wunderschön. Ein herzförmig weißes Hinterteil wie beim Reh und schlanke braune Beine, ein herrlicher glatter Rücken. Und ich stellte mir vor, ich würde leise an sie herantreten und mich auf sie legen. Und Frau Schweigers würde sagen wie die Bäckersfrau im Traum: Das bist du ja endlich, mein kleiner Ficker. Nichts regte sich, das heißt, bis auf Matthäus. Er war unbemerkt aus meiner kurzen Hose geglitten und stand da unübersehbar und frei in der Natur wie ein Hochspannungsmast. „Was machst du denn, murmelte ich. Was soll das?“

„Ich genieße die harmonische Natur an diesem süßen Sommertag wie du. Ich spiele Fernrohr.“

Matthäus wurde in solchen Situationen immer ein bißchen schwülstig. Ich sah auch, daß sich ein Tropfen an seiner Spitze gebildet hatte. Immer wenn ihn etwas rührte, bildete sich dieser Tropfen wie manchmal bei Onkel Eros an der Nase.

„Leg dich auf sie“, meldete sich Matthäus hartnäckig.

„Du bist komplett verrückt, mein Freund. Sie wird schreien und die Polizei rufen. Das ist kein Traum, sondern Wirklichkeit. Außerdem ist sie meine Therapeutin, ich setze meine Zukunft nicht deinetwegen aufs Spiel.“

„Aber hier ist weit und breit niemand, nur Möwen, Meer und Himmel. Vielleicht wartet sie nur darauf, von dir beglückt zu  werden. Wenn jemand so nackt daliegt wie ein Sonderangebot...das ist reine Versuchung.“

„Red keinen Quatsch, Matthäus“, wollte ich gerade sagen, als sich die Nackte mit einem Mal umdrehte, als hätte sie etwas bemerkt. Ich dachte nur noch, das ist ja gar nicht Frau Schweigers, dann ließ ich mich fallen, während eine fremde Stimme Beschimpfungen in einem furchtbaren Dialekt ausstieß: „Färbiß disch bloß, du aldä Schpannä, Dräcksau, Wojör, du gaile Radde, sonst mach isch dir glaisch Baine...“

O Gott, dachte ich, so wie die schreit, hat sie bestimmt einen Revolver in der Tasche oder einen Totschläger oder wenigstens hat sie ein Gebiß wie ein Kampfhund.

Ohne darauf zu warten, was sich als nächstes ereignen würde, rannte ich zum Strand und nach Hause und dachte, wie gut, daß ich nicht auf Matthäus gehört habe. Und noch etwas hatte ich gelernt: Es kann eine Frau von hinten sehr attraktiv sein und verlockend, aber von vorne wie ein Speikobra. Ich war tief verletzt und Matthäus war arg enttäuscht.

 

   

 

 

 
 

 

 

 

 
 

 

 

 

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